Dog’s Mind — Hundeverhalten
Verhaltenskorrektur beim Hund: Die Ursachen verstehen
Es gibt keinen „Problemhund“. Es gibt Verhaltensweisen, die mit den Lebensbedingungen kollidieren, die wir Hunden auferlegen, und Ursachen, die verstanden werden müssen, bevor eine Korrektur versucht wird.

Was sind Verhaltensprobleme bei Hunden? Zunächst müssen wir klären, was ein Verhaltensproblem überhaupt ist. Das mag wie ein nebensächliches Detail klingen, doch es ist äußerst wichtig zu verstehen, dass es beim Hund kein von Natur aus problematisches Verhalten gibt. Es gibt lediglich Verhaltensweisen, die Probleme verursachen, insbesondere in einer menschlichen Welt, die von Regeln bestimmt wird.
Wie könnte ein Verhalten, das dem Überleben dient – etwa Aggression –, an sich problematisch sein? Dasselbe gilt für das Markieren des Territoriums, das Lösen im Haus oder den Protest eines sozialen Lebewesens gegen stundenlange aufgezwungene Einsamkeit durch übermäßiges Bellen.
Diese Beispiele zeigen, dass vieles, was wir als Verhaltensproblem des Hundes bezeichnen, in Wirklichkeit zu seiner Natur gehört und nicht zu unserer menschlichen Lebensweise passt. Ein frei lebendes Wesen besitzt naturgemäß die Fähigkeit anzugreifen, wenn es sich bedroht fühlt. Wo ein Hund sich löst, wird nicht durch einen angeborenen, menschenähnlichen Verhaltenskodex bestimmt – abgesehen von den Instinkten der Reviermarkierung. Daher ist es natürlich, dass ein Hund die Grenzen seines Bereichs markiert. Und wie sollte ein soziales Tier, das ständig den Kontakt sucht, Einsamkeit widerspruchslos akzeptieren?
Diese Feststellung soll kein moralisches Dilemma erzeugen. Dennoch ist es wichtig, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Tun wir das nicht, verzerrt sich nach und nach unser Verständnis von der wirklichen Natur des Hundes – und damit auch die Art, wie wir Verhaltensprobleme behandeln.
Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir jedes Verhalten als natürlich anerkennen, das aus den Instinkten eines Hundes entsteht.
Natürlich gibt es Verhaltensweisen, die über das hinausgehen, was wir als „normal“ bezeichnen würden: etwa unprovozierte Aggression gegen die eigene Bezugsperson, Selbstverletzung oder angstbedingtes Verhalten, das krankhafte Züge annimmt. Doch auch in solchen Fällen kann der zugrunde liegende Instinkt darauf hinweisen, dass sich das Tier gefährlich weit von seinem natürlichen Zustand entfernt hat. Ich werde erklären, was ich damit meine.
Aktion und Reaktion
Es ist ein unumstößliches Gesetz, dass jede Handlung eine Reaktion hervorruft. Wenn die Handlung dem natürlichen Zweck des Hundes entgegensteht, folgt eine Reaktion.
Wie wir Menschen wurden auch Hunde von der Natur mit Fähigkeiten und Verhaltensmustern ausgestattet, die dem Überleben dienen. Dazu gehören ihre Wahrnehmung von Gefahr, ihre Fähigkeit zu kämpfen, Nahrung zu finden und Ressourcen zu verteidigen. Doch was geschieht, wenn erworbenes Wissen mit genetisch übermitteltem Wissen in Konflikt gerät? Was geschieht, wenn die Fähigkeiten, die die Natur dem Hund gegeben hat, in der menschlichen Lebensweise als überflüssig gelten?
Was geschieht, wenn ein sehr aktiver Hund, der von Natur aus enorme Geschwindigkeit entwickeln kann, zu einem völlig bewegungsarmen Leben gezwungen wird?
Wenn ein Hund mit starkem Sexualtrieb sich nicht frei paaren darf, sobald der Instinkt erwacht?
Wenn sein einziger Kontakt zur weiteren Welt der Blick von einem Balkon ist?
Wenn er mögliche Gefahren hört, während er allein zu Hause ist, sie aber niemals untersuchen kann – wenn sein Körper sich auf Kampf oder Flucht vorbereitet, aber keine dieser Reaktionen zu Ende geführt werden kann?
Wenn er nicht „Nein“ sagen darf, wenn er berührt wird, nicht rennen und spielen und nicht so leben kann, wie es seinem inneren Bedürfnis entspricht?
Wenn er mit der menschlichen Forderung konfrontiert wird, zu jedem freundlich sein zu müssen, obwohl er nicht für jeden Menschen dasselbe empfindet?
Was geschieht, wenn wir einen so großen Teil der Handlungsmöglichkeiten des Hundes unterdrücken?
Dann entsteht ein Verhaltensproblem.
Vergessen Sie für einen Augenblick das Fachwissen der „Autorität“, die wir Hundetrainer nennen, und überlegen Sie: Was würde geschehen, wenn Sie in einem Haus eingeschlossen wären, alles bekämen, ohne dafür etwas tun zu müssen, und keinerlei Möglichkeit hätten, etwas zu erschaffen oder einen Zweck zu verfolgen?
Was wäre, wenn Ihnen Sexualität verboten würde?
Was wäre, wenn Sie mit jedem Menschen sprechen müssten, als würden Sie ihn lieben, selbst wenn Sie einige nicht mögen?
Was wäre, wenn Sie täglich jemand beleidigte, der zufällig Ihr Arbeitgeber ist – was würde mit einem Menschen geschehen?
Was würde selbst mit einem Menschen geschehen, der durch seine Vernunft erklären kann, warum er gegen seine Natur leben muss? Neurose? Aggression? Angst? Furchtbedingtes Verhalten?
Ich hoffe, dass einige Ursachen von Verhaltensproblemen bei Hunden nun deutlicher werden. Natürlich gibt es weitere.
Die erste wurde bereits beschrieben:
1. Unterdrückung der genetischen Veranlagung
2. Individuelles Temperament
Hunde können ebenso wie Menschen mit ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmalen geboren werden. Unabhängig von ihren Erfahrungen kommen manche mit einem besonders empfindlichen Nervensystem zur Welt, das aggressives oder ängstliches Verhalten begünstigen kann. Andere besitzen ein ungewöhnlich hohes Aktivitätsniveau und können ihre innere Spannung innerhalb der Einschränkungen des menschlichen Lebens nur schwer regulieren – manchmal bis hin zur Selbstverletzung.
3. Falsches Hundetraining – meist mit gewaltsamen Methoden oder, am anderen Extrem, mit völlig fehlenden Grenzen
Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass gewaltsame Methoden aggressives oder ängstliches Verhalten hervorrufen. Eines der häufigsten ist Koprophagie, die sich nach der alten Methode entwickeln kann, die Nase des Hundes in seinen Kot zu drücken, damit er sich nicht mehr im Haus löst. Viele Menschen, die diese Methode anwendeten, sahen ihren Hund danach nicht mehr im Haus koten – nicht weil der Hund die beabsichtigte Lektion verstanden hatte, sondern weil die Angst vor Bestrafung oder ein Missverständnis der Anweisung ihn lehrte, die „Beweise zu beseitigen“, bevor seine Bezugsperson zurückkehrte.
Dies gehört noch zu den milderen Problemen, die Gewalt hervorrufen kann. Viele Menschen, die vom eigenen Hund angegriffen wurden, hatten zuvor „Trainingsmethoden“ angewandt, die auf der Vorstellung beruhen, ein Hund müsse Angst vor seiner Bezugsperson haben. Am anderen Extrem kann das völlige Fehlen von Konsequenzen – und damit meine ich keine gewaltsame Bestrafung – dazu führen, dass Verhaltensweisen eskalieren. Sie können mit kleinen Schäden oder spielerischem Beißen beginnen und sich, besonders bei einem Hund, der bereits dazu neigt, Ressourcen oder Situationen zu kontrollieren, zu ernsthaften Konfrontationen mit der Bezugsperson entwickeln.
4. Gesundheitsprobleme
Wenn der Körper leidet, wird auch das Verhalten beeinflusst. Erkrankungen, die mit der Gehirnfunktion, dem Nervensystem und dem Verdauungssystem zusammenhängen – das die moderne Medizin häufig als zweites Gehirn bezeichnet –, können eindeutig extremes Verhalten auslösen. Selbst scheinbar unabhängige Erkrankungen wie Hautkrankheiten können anhaltendes Unwohlsein und Nervosität verursachen, die sich zu einem Verhalten außerhalb normaler Grenzen entwickeln.
5. Ein Leben ohne Sinn
Dies steht in direktem Zusammenhang mit der Unterdrückung genetischer Veranlagungen. Ein Leben ohne Interesse, angemessene Sozialisierung, vielfältige Erfahrungen oder die Freude an der Auseinandersetzung mit der Umwelt kann zum Ausgangspunkt problematischen Verhaltens werden. Menschen und Hunde suchen von Natur aus sowohl Sicherheit als auch Wohlbefinden. Selbst wenn die Sicherheit gewährleistet ist, kann das emotionale Gleichgewicht eines Hundes empfindlich bleiben. Ebenso wichtig ist zu verstehen, dass Erregung und Freude gesunde Grenzen brauchen; andernfalls können andere Probleme entstehen.
6. Unzureichende Ernährung, stark verarbeitete Nahrung mit Chemikalien und Konservierungsstoffen oder eine anderweitig ungeeignete Fütterung
Eine unzureichende Ernährung kann dem Körper wichtige Nährstoffe vorenthalten, die seine Organe für eine korrekte Funktion benötigen. Das Nervensystem gehört zu den ersten Bereichen, die betroffen sind, wenn Nährstoffe wie der Vitamin-B-Komplex oder das richtige Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren fehlen. Minderwertige Futtermittel mit Geschmacksverstärkern und anderen Zusätzen können durch eine beeinträchtigte Funktion des Nervensystems ebenfalls zu extremem Verhalten beitragen.
Auch eine ungeeignete Ernährung ohne künstliche Schadstoffe kann unerwünschtes Verhalten begünstigen. Denken Sie an einen Hund, der protein- und kohlenhydratreich gefüttert wird, aber völlig bewegungsarm lebt: Das sichtbare Ergebnis mögen beschädigte Möbel sein, doch das eigentliche Problem ist ein unerfülltes physiologisches Bedürfnis. Auch Futteraggression, bei der der Hund niemanden an sich heranlässt, während er frisst, kann ihren Ursprung in einem Nährstoffmangel haben. Ganz oben auf der Liste stehen schließlich:
7. Negative Erfahrungen
Ein stark belastendes Erlebnis hinterlässt Spuren im Verhalten eines Hundes. Meist wirken dabei zusätzlich Faktoren aus mehreren der vorherigen Kategorien mit. All dies werden wir im nächsten Teil, „Die Lösung des Problems“, genauer untersuchen.
Ende des ersten Teils
Christos Koutsis
Hundetrainer
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Lernen wir Ihren Hund kennen
Eine sinnvolle Verhaltenskorrektur beginnt damit, die Ursache zu erkennen – nicht damit, das Symptom zu unterdrücken.
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